Milo Raus Tribunal in Berlin: Sollte die AfD verboten werden?
Milo Raus Tribunal in Berlin: Sollte die AfD verboten werden?
Der Schweizer Regisseur Milo Rau hat einmal mehr das Theater genutzt, um brennende politische Fragen aufzugreifen. Sein jüngstes Projekt, Der Prozess gegen Deutschland, verwandelte eine Berliner Bühne für drei Tage in einen Gerichtssaal. Dort wurde debattiert, ob die rechtspopulistische AfD-Partei verboten werden sollte.
Raus Ansatz verbindet reale Personen mit dramaturgischer Struktur. Statt Schauspieler treten in seinen Inszenierungen echte Opfer, Experten und Persönlichkeiten der Öffentlichkeit auf. Diese Methode prägt Werke wie Die Moskauer Prozesse, Die Zürcher Prozesse und Das Kongo-Tribunal.
Vom 24. bis 26. Mai fand Der Prozess gegen Deutschland in der Berliner Volksbühne statt. Das symbolische Tribunal untersuchte Argumente für ein Verbot der AfD, geleitet von der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin. Als Zeugen traten Historiker, Politikwissenschaftler und Betroffene rechtsextremer Gewalt auf.
Nicht alle blieben bis zum Ende. Einige Teilnehmer zogen sich kurz vor der Veranstaltung zurück, angeblich verunsichert durch die Anwesenheit anderer Gäste. Dennoch kam die Jury – bestehend aus Juristen und Aktivisten – zu dem Schluss, dass eine offizielle Prüfung des AfD-Status gerechtfertigt sei.
Raus frühere Projekte folgten einem ähnlichen Muster. Die Moskauer Prozesse rekonstruierten Schlüsselmomente der russischen Oppositionsgeschichte, während Die Zürcher Prozesse globale Gerechtigkeitsfragen behandelten. Die Finanzierung dieser Arbeiten stammt oft aus öffentlichen Kunstförderungen, Museumskooperationen und internationalen Festivals. Genauere finanzielle Details und vollständige Listen der Unterstützer bleiben in öffentlichen Aufzeichnungen jedoch lückenhaft.
Sein Film Das Kongo-Tribunal von 2015 trieb das Konzept weiter voran: Im Osten des Kongo inszenierte Rau ein symbolisches Tribunal zu Kriegsverbrechen. Wie in seinen anderen Werken basierte die Inszenierung auf Aussagen direkt Betroffener statt auf professionellen Darstellern.
Die Empfehlung der Jury in Der Prozess gegen Deutschland hat zwar keine rechtliche Bindung, bereichert aber die öffentliche Debatte. Raus Produktionen setzen weiterhin Maßstäbe, indem sie Kunst mit realer politischer Untersuchung verbinden. Seine Methode – Theater als Raum für gesellschaftliche Auseinandersetzung zu nutzen – bleibt ein prägendes Merkmal der zeitgenössischen europäischen Performancekunst.
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