31 May 2026, 22:28

Wie die Gastarbeitergeneration zwischen zwei Welten altert und leidet

"Kartonwand": Fatih Çevikkollu's Reading on Migration and Psychological Traces in Old Age

Wie die Gastarbeitergeneration zwischen zwei Welten altert und leidet

Vor über 60 Jahren warb Deutschland im Ausland Arbeitskräfte an, um den Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu beheben. Viele von ihnen, wie die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, kamen in den 1960er-Jahren aus der Türkei mit dem Plan, nach einigen Jahren in die Heimat zurückzukehren – doch daraus wurden Jahrzehnte. Mit zunehmendem Alter litten viele unter Isolation und psychischen Problemen, doch kulturelle Barrieren erschwerten oft die Behandlung.

Fatih Çevikkollus Vater, ein gelernter Schlüsseldiensttechniker, und seine Mutter, eine ehemalige Grundschullehrerin, zogen in den 1960er-Jahren nach Deutschland. Sie rechneten mit einem vorübergehenden Aufenthalt, arbeiteten in Fabriken und als Näherin, um Geld zu sparen. Doch als das Rotationsprinzip in den 1970er-Jahren aufgrund des anhaltenden Arbeitskräftebedarfs und der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Türkei abgeschafft wurde, änderten sich ihre Pläne.

Besonders seine Mutter erlebte, was Expert:innen als „Statusverlust“ bezeichnen. Einst eine angesehene Lehrerin, arbeitete sie in Deutschland als Näherin – ein Verlust an beruflicher Identität und Selbstständigkeit. Mit der Zeit verblasste der Traum von der Rückkehr in die Türkei. Im Alter entwickelte sie eine psychische Erkrankung und tiefe Einsamkeit – ein Muster, das Forscher wie Dr. Uwe Johansson und Dr. Gürsel Çapanoğlu häufig bei älteren Migrant:innen beobachten.

Die Herausforderungen gehen über persönliches Leid hinaus. Unterschiedliche kulturelle Vorstellungen von Krankheit erschweren die Behandlung. In vielen Migrant:innengemeinschaften werden psychische Probleme oft nicht offen benannt, was Diagnose und Therapie erschwert. Die LWL-Klinik Dortmund betreibt eine interkulturelle Ambulanz, um dem entgegenzuwirken, und bietet kultursensible Therapien an. Dennoch verhindern hohe Zugangshürden – Sprachbarrieren, fehlende Dolmetscher:innen und kaum angepasste Behandlungsmöglichkeiten – dass viele die nötige Hilfe erhalten.

Fachleute betonen den dringenden Bedarf an mehr mehrsprachigen Angeboten, geschulten Dolmetscher:innen und Therapien, die auf die Herkunft der Migrant:innen zugeschnitten sind. Ohne diese Unterstützung werden ältere Migrant:innen wie Çevikkollus Mutter weiter im Stillen leiden. Angesichts der alternden Generation bleibt die Nachfrage nach kultursensibler medizinischer Versorgung dringlicher denn je.

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