25 March 2026, 12:32

Vinge & Müller zerlegen Peer Gynt in einem achtstündigen Theatermarathon an der Volksbühne

Theaterinnenraum mit prunkvollen Kronleuchtern, Wandskulpturen und Menschen auf der Bühne, mit verstreuten Gegenständen, die eine lebendige Atmosphäre schaffen.

Vinge & Müller zerlegen Peer Gynt in einem achtstündigen Theatermarathon an der Volksbühne

Das Künstlerduo Vinge & Müller eröffnet die neue Spielzeit an der Berliner Volksbühne mit einer radikalen Neuinterpretation von Peer Gynt

Henrik Ibsens Klassiker erzählt von einem rebellischen Teenager, der mit wilden Lügen seiner tristen Umgebung zu entfliehen versucht. Doch diese Inszenierung sprengt alle Grenzen des Originals – sowohl in Länge als auch in Intensität.

Ursprünglich auf acht Stunden angelegt, wurde die Aufführung aus praktischen Gründen auf diese Dauer begrenzt. Ein Kritiker von Nachtkritik saß die gesamte Vorstellung durch, ohne sich zu langweilen – ein Zeichen für ein immersives Erlebnis, das sich konsequent jeder Konvention verweigert.

Die erste Begegnung des Publikums mit Peer Gynt beginnt bereits im Foyer, wo Ida Müllers chaotische Wimmelbilder – detailreiche, überladene Gemälde – eine überwältigende Stimmung erzeugen. Im Saal betritt Vegard Vinge als exzentrischer "Künstlerpfau" die Bühne, watend durch ein Meer verwerfener Leinwände. Die Vorstellung selbst steuert unerbittlich auf eine brutale Zuspitzung zu, bei der jede Gewalttat ins Extreme gesteigert wird.

Vinge und Müller sind keine Unbekannten, wenn es um radikale Experimente geht. Einst betrieben sie eine temporäre Spielstätte in Berlin-Reinickendorf, wo keine zwei Aufführungstage gleich waren. Ihr Ruf festigte sich weiter, als sie als mögliche Nachfolger von Frank Castorf an der Volksbühne gehandelt wurden – ein Angebot, das sie später wegen Kulturetzkürzungen ablehnten. Selbst ihre Proben brechen mit Konventionen: Bei einer Probe sperrten sie das Publikum komplett aus dem Saal aus.

Die marathongleiche Spieldauer reicht bis 2 Uhr morgens, deckt aber lediglich den ersten Akt und einen Ausschnitt des zweiten ab. Die Verantwortlichen bestätigten, dass die Vorstellung so lange dauern wird, wie es der Arbeitsschutz zulässt – eine Herausforderung für Ensemble und Zuschauer gleichermaßen. Ob dieser extreme Ansatz das Theater neu definiert oder das Publikum schlicht überfordert, bleibt abzuwarten.

Vinge und Müllers Peer Gynt ist ein provokantes Statement in der Berliner Theaterszene. Die quälend langen acht Stunden und die kompromisslose Intensität der Inszenierung markieren einen bewussten Bruch mit der Tradition. Mit ihrer Geschichte des Widerstands und der Innovation wird das Duo bei seinem Volksbühne-Debüt sowohl auf als auch hinter der Bühne Erwartungen herausfordern.

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