24 March 2026, 04:28

Rodung des "Sündi"-Wäldchens beginnt – trotz Proteste und ökologischer Bedenken

Schwarzes und wei├čes Foto eines Kohlebergbaus mit Geb├Ąuden, Masten und B├Ąumen im Hintergrund und Text unten.

Was Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen müssen - Rodung des "Sündi"-Wäldchens beginnt – trotz Proteste und ökologischer Bedenken

Abholzung des "Sündi"-Wäldchens bei Hambach beginnt am 1. Oktober

Die Rodung des "Sündi"-Wäldchens nahe dem Tagebau Hambach soll am 1. Oktober beginnen. Der kleine Wald, lokal als Sündi bekannt, liegt östlich des Hambacher Forstes, der durch den deutschen Braunkohlekompromiss berühmt gerettet wurde. Nun hat der Energiekonzern RWE die Genehmigung erhalten, die Bäume zu fällen – was neue Proteste und juristische Auseinandersetzungen auslöst.

Der Schritt folgt einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster vom Januar, das keine Verstöße gegen Artenschutzgesetze feststellte. Kritiker, darunter der Umweltverband BUND NRW, argumentieren jedoch, der Wald besitze ökologischen und symbolischen Wert – auch wenn ihm die Prominenz seines Nachbarn fehlt.

Das "Sündi"-Wäldchen war nie Teil der Vereinbarung von 2020, die den Hambacher Forst vor dem Abriss bewahrte. RWE besteht darauf, dass die Rodung notwendig sei, um Kies abzubauen, der später die Ufer eines künftigen künstlichen Sees stabilisieren soll. Jahrzehntelanger Braunkohleabbau im Rheinischen Revier hat tiefe Krater hinterlassen, die Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Braunkohleausstiegs bis 2030 fluten will – darunter auch den Tagebau Hambach.

Vor der Genehmigung hatten Gerichte umfangreiche Schutzmaßnahmen für 15 gefährdete Arten angeordnet, darunter Haselmaus, Bechsteinfledermaus und Schwarzspecht. Dazu gehörten Umsiedlungen, die Anlage von Fledermausdurchlässen und jahrelange Monitoringprogramme. RWE betont, alle rechtlichen Auflagen seien erfüllt, und die Genehmigungen lägen seit dem Münsteraner Urteil vor.

Gegner sehen das Projekt kritisch: Der BUND NRW hält alternative Lösungen für möglich und warnt, die Zerstörung eines funktionsfähigen Ökosystems – nur um es durch einen See und eine Yachthafenanlage zu ersetzen – setze ein fatales Zeichen. Die Stadt Kerpen hat bereits den öffentlichen Zutritt zum Gebiet ab dem 20. Oktober untersagt; nur RWE-Mitarbeiter dürfen dann noch das Gelände betreten.

Der Konflikt erinnert an die Besetzung des Hambacher Forstes 2018, als Aktivisten Baumhäuser errichteten, um die Rodung zu blockieren. Zwar erreicht der Sündi nicht dieselbe Dimension, doch sein Schicksal befeuert erneut die Debatte über Deutschlands Energiewende und die Kosten für lokale Lebensräume.

Die Fällarbeiten beginnen wie geplant, während RWE unter rechtlicher Deckung voranschreitet. Die gewonnenen Materialien sollen die Ufer des künftigen Sees formen – Teil des landschaftlichen Umgestaltungskonzepts nach dem Braunkohleabbau. Für Umweltschützer markiert der Verlust des Sündi jedoch einen weiteren umstrittenen Schritt im Strukturwandel der Region.

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