Zwei Legenden der deutschen Medienwelt sind tot – ein Abschied von Wagner und Hilsberg
Irmengard SteinbergZwei Legenden der deutschen Medienwelt sind tot – ein Abschied von Wagner und Hilsberg
Zwei prägende Persönlichkeiten der deutschen Medien- und Kulturszene sind kürzlich verstorben. Franz Josef Wagner, der langjährige Bild-Kolumnist, der als "Bild-Dichter" bekannt wurde, starb am 7. Oktober im Alter von 82 Jahren. Nur wenige Wochen zuvor verstarb Alfred Hilsberg, eine Schlüsselfigur der Hamburger Underground-Szene, mit 77 Jahren. Beide Männer hinterließen in ihren jeweiligen Bereichen unverkennbare Spuren.
Wagners Tod markiert das Ende einer fast sechs Jahrzehnte umfassenden Karriere, in der er zu einem der bekanntesten Boulevard-Journalisten Deutschlands wurde. Hilsberg hingegen wurde für seine unkonventionellen Ansichten zu Medien und Kultur in Erinnerung behalten – Ansichten, die oft mit der etablierten Meinung kollidierten.
Franz Josef Wagner, 1943 in Mährisch Ostrau (heute Olomouc, Tschechien) geboren, begann seine Laufbahn 1966 im Verlagshaus von Axel Springer. Als praktizierender Katholik stieg er zum scharfsinnigen Beobachter der deutschen Gesellschaft und Politik auf, wobei seine Arbeit häufig als rechtspopulistisch und reaktionär kritisiert wurde. Kritiker reihten ihn neben Persönlichkeiten wie James Last und Fips Asmussen in die deutsche Kulturlandschaft ein – Unterhalter, die den Massengeschmack prägten.
Von 2001 bis zu seiner letzten Kolumne am 7. September 2023 verfasste Wagner Post von Wagner, eine tägliche Rubrik in der Bild, die als Briefe an Personen, Jahreszeiten oder sogar Körperteile gestaltet war. Dieses Format wurde zu seinem Markenzeichen und verband Satire mit gesellschaftlicher Kommentierung. Seine Rolle bei der Bild galt als symbiotische Beziehung: Die Zeitung gewann eine provokante Stimme, während Wagner eine Plattform für seine unzensierten Meinungen erhielt.
Neben seiner journalistischen Tätigkeit arbeitete Wagner als Ghostwriter für prominente Persönlichkeiten, darunter Fußballlegende Franz Beckenbauer, Sänger Udo Jürgens und Tennisstar Boris Becker. Seine Fähigkeit, sich in unterschiedliche Stimmen hineinzuversetzen, festigte seinen Ruf als vielseitiger, wenn auch polarisierender Autor.
Alfred Hilsberg, der kurz vor Wagner verstarb, schlug einen völlig anderen Weg ein. Als fester Bestandteil des Hamburger Undergrounds lehnte er konventionelle Laster wie Bier und Haschisch ab. Stattdessen erklärte er provokant, das Lesen der Bild – derselben Zeitung, für die Wagner schrieb – sei das "ultimative bewusstseinserweiternde Rauschmittel". Seine ironische Provokation spiegelte eine lebenslange Gewohnheit wider, Normen herauszufordern, selbst wenn er sich außerhalb des Mainstreams bewegte.
Wagners Tod schließt ein Kapitel für die Bild und den deutschen Boulevard-Journalismus. Seine oft umstrittenen Kolumnen waren über 22 Jahre hinweg fester Bestandteil für Millionen Leser. Auch Hilsbergs Ableben markiert das Ende einer Ära für die Hamburger Alternativszene, in der sein Witz und seine Unangepasstheit bleibende Spuren hinterließen.
Beide Männer, obwohl aus gegensätzlichen kulturellen Sphären stammend, prägten die öffentliche Debatte auf ihre Weise. Ihr Erbe wird fortleben – der eine durch Tinte und Satire, der andere durch Subversion und Paradoxie.