Warum rechtspopulistische Wähler trotz Skandale treu bleiben
Warum einige Wähler der extremen Rechten treu bleiben – trotz aller Skandale
Eine neue Studie des Soziologen Aladin El-Mafaalani untersucht, warum sich manche Wähler weiterhin mit rechtspopulistischen Bewegungen identifizieren – selbst wenn deren Versagen immer offensichtlicher wird. Seine Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Misstrauen gegenüber der Demokratie tiefer sitzt als politische Streitfragen oder Skandale. Stattdessen verbinden sich ganze Gemeinschaften heute über ein gemeinsames Misstrauen gegenüber Institutionen, Gerichten und Medien.
In seinem Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert El-Mafaalani, wie Menschen das Vertrauen in traditionelle Systeme verlieren. Er argumentiert, dass populistische Gruppen gezielt das öffentliche Vertrauen untergraben und es so erschweren, es wieder aufzubauen. Digitale Plattformen verstärken diesen Trend, indem sie misstrauische Einzelne zusammenbringen – es entstehen eng vernetzte Gruppen, die sich nur noch aufeinander und auf feindlich gesinnte Parteien wie die Alternative für Deutschland (AfD) verlassen.
Die AfD startete 2013 als Protestbewegung gegen die Euro-Rettungspakete. Bis 2025 hatte sie ihre Unterstützung verdoppelt: Mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin erreichte die Partei in westdeutschen Bundesländern wie Baden-Württemberg 18,8 Prozent der Stimmen. Der strategische Fokus auf Wirtschaftsthemen half, Wähler anzusprechen, die sich vor dem industriellen Niedergang fürchten.
El-Mafaalani zeigt Parallelen zu internationalen Entwicklungen auf, etwa dem Aufstieg von Figuren wie Donald Trump. Seine Arbeit macht deutlich: Allein die Bloßstellung populistischer Inkompetenz ändert wenig an den Einstellungen der Anhänger. Stattdessen plädiert er für Strategien, die die tieferen Ursachen des Misstrauens angehen.
Das Buch benennt ein zentrales Dilemma: Ist das Misstrauen erst einmal verankert, reichen Fakten allein nicht aus, um Vertrauen zurückzugewinnen. Dass die AfD trotz zahlreicher Kontroversen wächst, belegt, wie tief diese Haltungen bereits verwurzelt sind. Für El-Mafaalani erfordert der Wiederaufbau von Vertrauen mehr als politische Debatten – nötig ist ein grundlegendes Umdenken, wie Institutionen mit skeptischen Gemeinschaften in Dialog treten.






