27 April 2026, 18:27

Warum die Kapitalismuskritik im neoliberalen Zeitalter an Kraft verlor

Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund, eingerahmt von einem schmalen schwarzen Rand, das 'Maganomics: Ein Wirtschaftsplan, der drei Dinge tut: Steuern für die Reichen und große Unternehmen weiter senken.'

Warum die Kapitalismuskritik im neoliberalen Zeitalter an Kraft verlor

Ein neuer Sammelband untersucht, warum die Kapitalismuskritik während des Aufstieg des Neoliberalismus an Schlagkraft verloren hat. Das Buch "Krise der Kritik? Gegner des Kapitalismus im neoliberalen Zeitalter" argumentiert, dass die Schwächen der Linken selbst eine zentrale Rolle in diesem Niedergang spielten. Es zeichnet die sich wandelnden Formen des Widerstands von Mitte der 1970er-Jahre bis zur Jahrtausendwende nach.

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Der Band erkundet, wie sich die Kapitalismuskritik parallel zur neoliberalen Umgestaltung entwickelte. Dabei zeigt er, dass die konsumorientierte Kritik – oft als Produkt des Neoliberalismus wahrgenommen – bereits früher entstand: während des Nachkriegbooms. Die Proteste von 1968 etwa verbanden strukturelle Kapitalismuskritik mit Angriffen auf die Konsumkultur.

Gleichzeitig stellt das Buch die Vorstellung infrage, der Neoliberalismus sei eine geschlossene Kraft. Soziologische Debatten übersehen häufig seinen fragmentierten Charakter und verklären stattdessen den Kapitalismus der 1960er- und 70er-Jahre. Zwei Haupttheorien erklären die Dominanz des Neoliberalismus seit den 1970ern: strukturelle Verschiebungen im Kapitalismus und die Verbreitung neoliberaler Ideen. Doch der Sammelband betont, dass auch die Kritiker des Systems selbst einer Prüfung standhalten müssen.

Sogar sozialdemokratische und linksliberale Gruppen trugen zu neoliberalen Reformen bei, ohne wirksamen Widerstand zu leisten. Die Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) in den 1990ern belebte die antikapitalistische Opposition nicht. Stattdessen vermischte sie Identitätspolitik mit keynesianischer Wirtschaftspolitik – ohne das System grundlegend herauszufordern.

Auch der Begriff "Neoliberalismus" selbst hat Grenzen. Zwar eignet er sich, um kapitalistische Umbrüche zu analysieren, doch verengt er die Kritik oft auf eine Spielart des Kapitalismus statt auf das System als Ganzes.

Der Sammelband bietet eine detaillierte Bestandsaufnahme, wie die Kapitalismuskritik unter dem Neoliberalismus ins Stocken geriet. Er legt nahe, dass ein Verständnis dieser Krise sowohl die Veränderungen des Systems als auch die inneren Kämpfe der Linken in den Blick nehmen muss. Die Erkenntnisse des Buches deuten auf ein größeres Muster hin: den Rückgang fundamentaler Kapitalismuskritik in den letzten Jahrzehnten.

Quelle