Sozialreform 2026: Wie Jobcenter Langzeitarbeitslose besser unterstützen können
Gisbert HuhnFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Sozialreform 2026: Wie Jobcenter Langzeitarbeitslose besser unterstützen können
Ab dem 1. Juli 2026 tritt in Deutschland eine große Sozialreform in Kraft, die das Bürgergeld durch ein strengeres Grundsicherungssystem ersetzt. Der Bundestag hat die Änderungen bereits beschlossen. Unterdessen zeigt eine neue Studie, wo Jobcenter bei der Unterstützung Langzeitarbeitsloser versagen – und wie sich die Betreuung verbessern ließe.
Die Untersuchung der Bertelsmann Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass zwar viele Arbeitslose die Mitarbeiter der Jobcenter als kompetent bewerten, aber fast die Hälfte der Befragten den Nutzen der Termine für ihre Jobchancen als gering einschätzt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass gezieltere Hilfsangebote nötig sind – besonders für diejenigen, die mit mehreren Hürden auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt kämpfen.
Für die Studie befragte die Bertelsmann Stiftung zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 über 1.000 Arbeitslose im Alter von 25 bis 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld bezogen. Die Ergebnisse zeigen: Mehr als zwei Drittel waren mit der Leistung ihres Jobcenters zufrieden, und fast drei Viertel hielten die Mitarbeiter für fachlich versiert.
Doch die Studie förderte auch erhebliche Mängel zutage. Fast die Hälfte der Langzeitarbeitslosen gab an, dass die Besuche im Jobcenter ihre Beschäftigungschancen nicht verbessert hätten. Ein zentrales Problem: 46 Prozent der Bürgergeld-Empfänger haben mit mehreren Hindernissen zu kämpfen – etwa gesundheitlichen Problemen oder fehlenden Qualifikationen. Viele von ihnen erhalten überhaupt keine Stellenangebote.
Die Empfehlungen der Stiftung weichen deutlich von der aktuellen Praxis ab. Statt auf schnelle Vermittlung setzt sie auf intensives Coaching, Qualifizierungsmaßnahmen und konkrete Jobangebote – vor allem für diejenigen mit den größten Hürden. Bisherige Ansätze der Jobcenter scheiterten oft an fehlender Zeit und Ressourcen für eine so umfassende Betreuung. Bei Arbeitslosen ohne größere Hindernisse schlägt die Studie vor, stärker auf Eigeninitiative bei der Stellensuche zu setzen – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit der Leistung des Jobcenters verringern könnte.
Die anstehende Sozialreform führt strengere Regeln ein und markiert damit einen Wandel in der Grundsicherung. Die Änderungen treten Mitte 2026 in Kraft und stehen im Zeichen wachsender Forderungen nach einer effizienteren Arbeitsvermittlung durch die Jobcenter.
Reform und Studienergebnisse weisen den Jobcentern eine klare Richtung: Sie müssen diejenigen, die am weitesten vom Arbeitsmarkt entfernt sind, gezielter fördern. Da fast die Hälfte der Langzeitarbeitslosen mit mehreren Hindernissen zu kämpfen hat, zielen die Vorschläge zu Coaching und konkreten Jobangeboten darauf ab, langjährige Defizite zu beheben. Ob diese Maßnahmen greifen, hängt davon ab, ob die Jobcenter die nötige Zeit und die erforderlichen Mittel für diejenigen aufbringen können, die sie am dringendsten brauchen.