10 June 2026, 16:33

Nadav Lapid zieht sich vom FID Marseille zurück – nach massivem Boykott-Druck

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid zieht sich vom FID Marseille zurück – nach massivem Boykott-Druck

Der israelische Regisseur Nadav Lapid hat sich vom internationalen Filmfestival FID Marseille zurückgezogen – angesichts wachsenden Drucks. Rund zehn Filmemacher zogen ihre Werke aus dem Programm zurück, was schließlich zu seinem Rücktritt von der Veranstaltung führte. Die Kontroverse hat in der Filmbranche eine breite Debatte ausgelöst.

Lapid war ursprünglich als Jurymitglied zum Festival eingeladen worden. Die Festivalleiterin Tsveta Dobreva betonte, die Einladung basiere ausschließlich auf seinem künstlerischen Schaffen. Doch der Widerstand gegen seine Teilnahme wuchs rasant.

Über 350 Branchenvertreter, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief, der den Boykott gegen Lapid verurteilte. Die französische Tageszeitung Le Monde veröffentlichte zwei separate Stellungnahmen zu seinen Gunsten – eine von renommierten Filmemachern, eine weitere von Weggefährten Lapids. Ein zweiter Kommentar im Blatt argumentierte, die Einladung eines Künstlers bedeute nicht automatisch eine Billigung seiner Rolle als kultureller Botschafter.

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Lapid, ein scharfer Kritiker der Regierung unter Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Sein jüngster Film „Yes“ wurde von Variety als „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“ beschrieben. Angesichts des zunehmenden Drucks äußerte er Frustration und warnte vor einer Einschüchterung kultureller Einrichtungen.

Der offene Brief zur Verteidigung Lapids fordert einen fortgesetzten Dialog mit kritischen Künstlern. Darin heißt es, sein Rückzug vom Festival solle als Weckruf verstanden werden. Die Diskussion offenbart die Spaltung zwischen kulturellen Boykottforderungen und künstlerischer Freiheit.

Quelle