26 April 2026, 12:38

Kölns vergessene Katastrophe: Wie ein U-Bahn-Bau das Stadtarchiv für immer zerstörte

Schwarzes und weißes Foto einer Stadt nach einer Katastrophe am 5. Juni 1892, das beschädigte Gebäude, Strommasten, Rauch und einen Hügel im Hintergrund zeigt, mit Text am unteren Rand.

Kölns vergessene Katastrophe: Wie ein U-Bahn-Bau das Stadtarchiv für immer zerstörte

Ein verhängnisvoller Einsturz in Köln zerstörte 2009 das Stadtarchiv – 1,7 Millionen Dokumente verschüttet, zwei Menschen starben

Die Katastrophe ereignete sich während des U-Bahn-Baus und legte eklatante Mängel in Planung und Aufsicht schonungslos offen. Mehr als ein Jahrzehnt später ist die Baustelle immer noch nicht fertiggestellt, und erst kürzlich wurden die letzten juristischen Auseinandersetzungen beigelegt.

Auslöser des Einsturzes war die Entfernung und der Verkauf kritischer Stahlträger, während gefälschte Bauprotokolle die Risiken verschleierten. Organisatorisches Chaos verschärfte die Lage, bis das Gebäude schließlich zusammenbrach. Nahegelegene Wahrzeichen wie St. Maria im Kapitol und St. Georg erlitten Risse, und das Archivgebäude selbst neigte sich gefährlich zur Seite.

Rettungskräfte brauchten Monate, um die zerfetzten Dokumente zu bergen. Die Fragmente wurden an 20 Notarchive verteilt. 2022 brachte der Künstler Reinhard Matz mit seiner Installation "Klagelied in acht Tafeln" am Bauzaun die anhaltende Wirkung der Tragödie zum Ausdruck. Die juristischen Verfahren zogen sich jahrelang hin, endeten mit gemischten Urteilen und fanden erst 2024 in einem endgültigen Vergleich ihr Ende.

Das U-Bahn-Projekt, das Reisenden eigentlich acht Minuten sparen sollte – genau die Zeit, die der Einsturz dauerte –, ist bis heute unvollendet. Die jüngste Phase der Untergrundarbeiten soll nun in weiteren acht Jahren abgeschlossen werden. Unterdessen kämpft die Initiative ArchivKomplex seit 2011 für eine Mitsprache bei der Neugestaltung und ein würdevolles Mahnmal.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Stelle bleibt eine offene Wunde in der Stadt: nur teilweise verfüllt, umgeben von anhaltenden Bauarbeiten. Zwar verspricht die neue U-Bahn-Strecke schnellere Verbindungen, doch das Erbe der Katastrophe wirkt nach – in verzögerter Gerechtigkeit, verlorener Geschichte und einer Gemeinschaft, die noch immer nach Abschluss sucht. Die letzten unterirdischen Arbeiten werden sich bis in die 2030er-Jahre hinziehen, lange nach dem Tag, an dem der Einsturz Köln erschütterte.

Quelle