Vom 'Jungtürken' zum Staatsmann - Guido Westerwelle: Zehn Jahre nach dem Tod einer politischen Ikone
Guido Westerwelle – eine der polarisierendsten Figuren der deutschen Politik – starb vor zehn Jahren im Alter von 54 Jahren an Leukämie. Seine Karriere umfasste Jahrzehnte: vom Vorsitz der Freien Demokratischen Partei (FDP) bis hin zu seiner Amtszeit als Außenminister zwischen 2009 und 2013. Mit markigen Sprüchen und einer Vorliebe für dramatische Auftritte prägte er die deutsche Politik – in glorreichen wie in turbulenten Zeiten.
Westerwelles Aufstieg war rasant. Schon 1983 wurde er Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, zwei Jahrzehnte später übernahm er die FDP und führte sie von 2001 bis zu seinem Rücktritt 2011 als Parteichef. Sein Abgang löste Jahre des innerparteilichen Chaos aus, geprägt von Parolen wie "Hau den Guido!" (Weg mit Guido!). Unter seinen Nachfolgern Philipp Rösler und Christian Lindner kämpfte die FDP um ihre Existenz – scheiterte mehrfach an der Fünf-Prozent-Hürde, darunter bei der Bundestagswahl 2025 mit nur 4,3 Prozent. Selbst in Baden-Württemberg brach die Unterstützung von 16,1 Prozent im Jahr 2021 auf unter fünf Prozent in späteren Jahren ein.
Noch vor seiner politischen Karriere sorgte Westerwelle für Schlagzeilen, als er 2000 als erster prominenter Politiker bei Big Brother auftrat. Sein ungebremster, oft provokanter Stil – mal charmant, mal ins Absurde kippend – spaltete die Öffentlichkeit. Deutschlandfunk bezeichnete ihn später als Naturgewalt: ein Treiber des Wandels, aber auch ein Übertreiber, der sich im Rampenlicht sonnte.
Im Juni 2014 entdeckten Ärzte bei Routine-Bluttests vor einer Knieoperation die Leukämie-Erkrankung. Westerwelle kämpfte mit Disziplin, ohne Selbstmitleid – und prägte so sein Bild in der Öffentlichkeit neu. Noch im selben Jahr veröffentlichte er "Zwischen zwei Leben", ein Buch, in dem er seine Karriere reflektierte und auf ein zweites Kapitel hoffte. Unter seinen letzten Gedanken nannte er die Liebe als größte Quelle seines Glücks.
Sein Tod 2014 markierte das Ende einer Ära für die FDP und die deutsche Politik. Unter seiner Führung hatte die Partei einst an Einfluss gewonnen, doch sein Abschied stürzte sie in jahrelange Instabilität. Zehn Jahre später bleibt sein Erbe geprägt von einer Mischung aus Ehrgeiz, Kontroversen und ungebrochener Widerstandskraft.






