EU-Reformen revolutionieren Emissionshandel: Chemieindustrie profitiert von neuen Spielregeln
Irmtrud BolzmannEU-Reformen revolutionieren Emissionshandel: Chemieindustrie profitiert von neuen Spielregeln
EU-Kommission stellt weitreichende Reformen des Emissionshandels vor
Die Europäische Kommission wird in dieser Woche umfassende Reformen des EU-Emissionshandelsystems (EU-ETS) vorlegen. Die Änderungen umfassen Anpassungen am Marktstabilitätsreservemechanismus (MSR), um Branchen wie die Chemieindustrie besser zu unterstützen, und sehen die dauerhafte Abschaffung der Streichung von Emissionszertifikaten vor.
Die für Mittwoch erwarteten Vorschläge markieren einen Kurswechsel hin zu stärkerer staatlicher Steuerung, um Marktstabilität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Einklang zu bringen. Im Rahmen des überarbeiteten ETS plant die Kommission, die automatischen Überschussregelungen des MSR zu lockern. Stattdessen soll die Kohlenstoffabscheidung und -nutzung (CCU, Carbon Capture and Utilization) beschleunigt integriert werden. Zudem werden die kostenlosen Emissionszuteilungen für Chemiehersteller bis in die 2040er-Jahre verlängert – über das ursprüngliche Enddatum 2039 hinaus. Auch die Referenzwerte für Wärme- und Brennstoffnutzung sollen überprüft werden, um energieintensiven Sektoren mehr Flexibilität zu bieten.
Die Reformen folgen Forderungen von Industrievertretern, darunter Evonik-Chef Christian Kullmann, der sich zuvor für eine Abschaffung oder grundlegende Neugestaltung des ETS ausgesprochen hatte. In einem aktuellen Gastbeitrag für das Handelsblatt plädierten Kullmann und der EU-Abgeordnete Peter Liese für pragmatische Kompromisse, die Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz vereinen.
Durch den Verzicht auf die dauerhafte Streichung von Zertifikaten will die EU künstliche Verknappung auf dem CO₂-Markt verhindern. Die Anpassungen spiegeln das Bestreben wider, Klimapolitik stärker an den Bedürfnissen der Industrie auszurichten – insbesondere in energieintensiven Branchen wie der Chemie.
Die Vorschläge der Kommission werden die Funktionsweise des ETS grundlegend verändern: Künftig stehen Marktstabilität und Industrieunterstützung im Vordergrund, während strenge automatische Kontrollen zurückgedrängt werden. Chemieunternehmen und andere emissionsintensive Sektoren müssen sich auf angepasste Benchmarks und verlängerte kostenlose Zuteilungen einstellen. Die Reformen sollen in den kommenden Jahren schrittweise in Kraft treten und werden voraussichtlich sowohl die CO₂-Preise als auch das Tempo der Dekarbonisierung in Europa prägen.






