08 June 2026, 02:20

Der vergessene Frauenstreik von 1973, der Deutschland veränderte

Wenn Frauen ihre Chefs in die Knie zwangen

Der vergessene Frauenstreik von 1973, der Deutschland veränderte

Im August 1973 legten Hunderte Arbeiterinnen und Arbeiter im Pierburg-Werk in Neuss einen historischen Streik für faire Löhne hin. Die Proteste begannen mit nur 20 Frauen, wuchsen sich aber schnell zu einer Bewegung aus, die die Arbeitsbedingungen in ganz Deutschland veränderte. Ihre Forderung war einfach: einen D-Mark mehr pro Stunde.

Die Belegschaft bei Pierburg bestand überwiegend aus Frauen, darunter viele Migrantinnen aus der Türkei, Italien und anderen europäischen Ländern. Diese Beschäftigten waren in die Lohngruppe 2 für leichte Arbeiten eingestuft – ein Tarif, der ihnen für dieselben Tätigkeiten weniger zahlte als Männern.

Am 13. August verließen etwa 20 Frauen aus Protest ihre Arbeitsplätze. Innerhalb weniger Tage schlossen sich Hunderte an, und bald zeigten auch männliche Kollegen Solidarität – ein damals in Deutschland seltenes Bild. Künstler wie Joseph Beuys und Arbeiter aus anderen Städten unterstützten den Streik ebenfalls.

Die Reaktion der Behörden war hart. Die Polizei ging gewaltsam gegen Demonstrationen vor, es gab Berichte über rassistische Beleidigungen durch Beamte. Doch der Druck zeigte Wirkung: Bis zum 17. August willigten die Arbeitgeber in eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig ein und schafften die diskriminierende Lohngruppe 2 für leichte Arbeiten ab.

Der Erfolg hatte weitreichende Folgen. Nach dem Streik bei Pierburg verschwand der ungerechte Tarif bundesweit aus den Betrieben.

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Der Arbeitskampf bei Pierburg sicherte nicht nur höhere Löhne und beendete ein diskriminierendes Lohnsystem, sondern setzte auch ein Zeichen für die Solidarität zwischen männlichen und weiblichen Beschäftigten in Deutschland. Der Protest bleibt ein Meilenstein der deutschen Arbeitsgeschichte.

Quelle