Biennale Venedig 2025: Boykott erschüttert Kunstfest unter dem Motto In Moll
Janos NeureutherBiennale Venedig 2025: Boykott erschüttert Kunstfest unter dem Motto In Moll
Die Biennale Venedig 2025 hat mit 100 Nationalpavillons und 111 teilnehmenden Künstlern unter dem Motto In Moll ihre Tore geöffnet. Die bis zum 22. November laufende Veranstaltung umfasst 31 Begleitausstellungen. Doch die Kontroverse überlagert in diesem Jahr das Festival: Nach dem Boykottaufruf einer internationalen Jury gegen Länder, deren Führungspersonen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt sind, steht die Biennale im Zeichen der Auseinandersetzung.
Die Jury richtete ihren Boykott gezielt gegen Israel und Russland. Alle fünf Mitglieder traten aus Protest zurück, woraufhin die Organisatoren die Verleihung der Goldenen Löwen verschieben mussten. Stattdessen wird ein neuer Publikumspreis namens Löwe der Besucher eingeführt, bei dem die Entscheidungen der Jury durch eine öffentliche Abstimmung ersetzt werden.
Der israelische Pavillon Rose des Nichts wird von Michael Gov gemeinsam mit Avital Bar-Shay und Sorin Heller kuratiert. Die russische Ausstellung Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel steht unter der Leitung von Anastasiia Karneeva. Beide Nationen bleiben trotz der Boykottforderungen Teil der Biennale.
Die Biennale-Stiftung und die italienische Regierung sprachen sich öffentlich gegen den Boykott aus. Unterdessen äußerte sich der portugiesische Künstler Alexandre Estrela, der sein Land mit der Installation RedSkyFalls im Palazzo Fondaco Marcello vertritt, kritisch zur Teilnahme Israels und Russlands. Auch Brasilien und Osttimor präsentieren in diesem Jahr Werke und repräsentieren die lusophone Welt bei der Veranstaltung.
Die Biennale wird wie geplant fortgesetzt, doch die Rücktritte der Jury haben das Verfahren zur Vergabe der Preise verändert. Besucher können nun über ihre Lieblingsausstellungen abstimmen und ersetzen damit das traditionelle Jurysystem. Trotz der anhaltenden Konflikte bleibt die Biennale eine der größten Zusammenkünfte zeitgenössischer Kunst.






