Berliner Theatertreffen setzt auf epische Marathon-Aufführungen und immersives Theatererlebnis
Irmengard SteinbergBerliner Theatertreffen setzt auf epische Marathon-Aufführungen und immersives Theatererlebnis
Deutsche Theater testen erneut die Grenzen der Spieldauer aus
Nach der Pandemie, die viele Aufführungen verkürzt hatte, kehren Regisseure nun zu ultra-langen, immersiven Produktionen zurück. Dieser Trend zeigt sich deutlich beim Berliner Theatertreffen, wo Marathon-Aufführungen zu den Highlights zählen.
Die Tradition ausufernder Theaterstücke reicht Jahrzehnte zurück. In den 1970er- und 1980er-Jahren führte das Aufkommen des Regietheaters zu experimentellen, langatmigen Inszenierungen. Robert Wilsons Einstein on the Beach, 1976 uraufgeführt, dauerte vier bis fünf Stunden. Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele-Auftakt 1999 dehnte sich gar über zwölf Stunden.
Das diesjährige Theatertreffen (1. bis 17. Mai) präsentiert ähnlich ambitionierte Werke: Die Münchner Kammerspiele zeigen Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen, ein siebenstündiges Epos. Die Berliner Volksbühne bringt bald Peer Gynt zurück – allein der erste Teil dauerte einst acht Stunden. Nora Hertlein-Hull, Festivalleiterin, erlebte solch extreme Theaterlängen erstmals 2007.
Obwohl der Deutsche Bühnenverein keine Statistiken zu Spieldauern führt, ist der Trend unübersehbar: Theater setzen zunehmend auf immersive, ausgedehnte Inszenierungen, um das Publikum herauszufordern.
Die Rückkehr des Langform-Theaters markiert einen Bruch mit den kürzeren Pandemie-Produktionen. Stücke wie Wallenstein oder Peer Gynt belegen das erneute Verlangen nach epischer Erzählkunst. Die Besucher des diesjährigen Theatertreffens erwarten einige der ehrgeizigsten Arbeiten des deutschsprachigen Theaters.






