08 June 2026, 06:20

Apotheker kämpft um Existenz nach 87.000-Euro-Rückforderung durch Krankenkasse

90.000 Euro Strafe: 'Wir Hätten Die Tabletten Zählen Sollen'

Apotheker kämpft um Existenz nach 87.000-Euro-Rückforderung durch Krankenkasse

Dr. Christian Fehske, Inhaber der Rathaus-Apotheke in Hagen, steht vor einem finanziellen und rechtlichen Kraftakt: Eine regionale Krankenkasse fordert fast 90.000 Euro an Rückforderungen von ihm. Streitpunkt sind zwei hochpreisige Medikamente, die an einen einzigen Patienten abgegeben wurden – die Kasse wirft der Apotheke vor, eine Überverschreibung ermöglicht zu haben. Fehske hat den Fall nun vor Gericht gebracht, doch das Verfahren könnte sich über Jahre hinziehen.

Ausgelöst wurde der Konflikt, als die AOK Nordwest, die zuständige Krankenkasse, die Erstattungen für zwei teure Arzneimittel vollständig zurückforderte. Die Kasse argumentiert, die Apotheke habe gegen die deutsche Apothekenbetriebsordnung verstoßen, indem sie angeblich Medikamente in zu großer Menge abgegeben habe. Zudem werde Fehske vorgeworfen, nicht verhindert zu haben, dass der behandelnde Arzt unwirtschaftliche Verschreibungen vornahm.

In einer Anhörung des Landtags Nordrhein-Westfalen wurde der Fall behandelt, wobei sowohl die Krankenkasse als auch ihre Aufsichtsbehörde die Rückforderung als vollkommen berechtigt verteidigten. Dennoch reichte Fehske Klage gegen die Forderung in Höhe von 87.000 Euro ein – mit dem Argument, das aktuelle System setze Apotheken der Gefahr einer Insolvenz aus. Sein Rechtsstreit droht jedoch in die Länge gezogen zu werden: Eine Verhandlung ist frühestens für 2028 angesetzt.

Über die finanzielle Belastung hinaus warnt Fehske vor weiteren Folgen für die Branche. Er fürchtet, dass qualifizierte Apothekenmitarbeiter in besser bezahlte Positionen bei Krankenkassen abwandern könnten, was die lokalen Apotheken weiter destabilisieren würde. Der zermürbende Rechtsstreit hat ihn zudem tief entmutigt – er stellt seine berufliche Zukunft infrage.

Der Fall verdeutlicht die wachsenden Spannungen zwischen Apotheken und Krankenkassen bei der Frage von Rückforderungen. Fehskes Klage wird Jahre dauern, bis sie entschieden ist, wobei seine Versicherung nur einen Teil der stetig steigenden Anwaltskosten übernimmt. Bis dahin lasten die finanzielle Belastung und die Unsicherheit auf ihm – und werfen die Frage auf, wie lange unabhängige Apotheken wie seine überhaupt noch überlebensfähig sind.

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