Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Proteste aus
Irmtrud BolzmannAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Proteste aus
An der Berliner Staatsoper feierte diese Woche eine Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere – mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die Aufführung erntete sowohl begeisterten Applaus als auch laute Proteste vor dem Opernhaus. Rund 50 Demonstranten schwenkten ukrainische Flaggen und skandierten Parolen gegen die russische Regierung.
Die von Rafael R. Villalobos inszenierte Produktion verbindet Verdis Klassiker mit Elementen der queeren Ballroom-Kultur und Verweisen auf die AIDS-Krise. Netrebko übernahm die Rolle der Amelia im Rahmen des Festprogramms der Oper und markierte damit ihre Rückkehr auf eine große europäische Bühne nach Jahren der Kontroversen.
Netrebkos Karriere erlitt einen deutlichen Rückschlag, nachdem sie 2021 in Moskau aufgetreten war und dabei mit Präsident Wladimir Putin fotografiert worden war. Ihre als Unterstützung für die russische Regierung wahrgenommene Haltung – darunter eine Geburtstagsfeier im Kreml – löste nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 eine Welle der Empörung aus. Wichtige Institutionen wie die Wiener Staatsoper und die New Yorker Metropolitan Opera sagten ihre Auftritte ab, während Kritiker sie als Putin-Propagandistin brandmarkten.
2022 distanzierte sie sich öffentlich vom Krieg, was ihr eine schrittweise Rückkehr auf europäische Bühnen ermöglichte. Bis 2025 trat sie wieder in Deutschland auf, bleibt jedoch in den USA und Großbritannien weiterhin gesperrt. Elisabeth Sobotka, die Intendantin der Staatsoper, betonte, dass Netrebko seit ihrer Distanzierung von der russischen Politik nicht mehr nach Russland zurückgekehrt sei.
Vor dem Berliner Opernhaus skandierten die Protestierenden Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Trotz der Demonstrationen erhielt die Aufführung selbst starken Applaus – sowohl für Netrebko als auch für das Orchester. Die Sopranistin, die die russische und die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, war bereits vor Ausbruch der Kontroverse in Berlin aufgetreten.
Die Premiere von Un ballo in maschera machte die anhaltende Spaltung über Netrebkos politische Verbindungen deutlich. Während sie künstlerisch in Berlin warm aufgenommen wurde, unterstrichen die Proteste die anhaltende Ablehnung ihrer früheren Verbindungen. Die Entscheidung der Staatsoper, sie zu engagieren, spiegelt eine vorsichtige Wiederannäherung an die Sängerin wider – auch wenn ihr internationales Ansehen weiterhin beschädigt bleibt.






